Tee selbst entkoffeinieren – Mythos oder wirklich möglich?

Egal ob schwarz, grün, Oolong oder weiß: Alle Tees werden aus der Pflanze Camellia sinensis hergestellt. Deren Teeblätter enthalten von Natur aus Koffein, was bedeutet, dass entkoffeinierter Tee einen Prozess durchlaufen hat, um das Koffein aus den Blättern zu entfernen.

Es gibt verschiedene Gründe, warum du koffeinfreien Tee trinken willst. Vielleicht hast du am Abend Lust auf eine Tasse Tee und kannst durch das Koffein nicht schlafen. Oder du wirst bei zu viel Koffein schnell nervös, bekommst Herzrasen oder dein Blutdruck steigt.

Trotzdem willst du nicht auf deinen geliebten Grün-, Schwarz-, oder vielleicht sogar Mate Tee verzichten. Die naheliegende Frage ist also: Kann ich Tee zuhause selbst entkoffeinieren?

Seit einiger Zeit kursiert im Netz eine DIY Methode, mit der man normalen Tee angeblich selbst vom Koffein befreien kann. Dabei „spült“ man ihn einfach vor dem Aufbrühen mit heißem Wasser ab und wäscht so quasi das Koffein ab.

Sogar eine Reihe von Tee-Experten verbreiten diese Methode, um den Koffeingehalt in grünen, schwarzen und weißen Tees auf natürliche Weise zu reduzieren. Dieser scheinbar einfache Trick der Entkoffeinierung zu Hause hat zwar seinen Reiz – kann es wirklich so einfach sein? Ist der Effekt des „Auswaschens“ nur ein Mythos, oder wissenschaftlich belegt?

Tee zuhause selbst entkoffeinieren

Einige Jahre lang lautete die Empfehlung, entkoffeinierten Tee mit heißem Wasser nach einer Methode zu „spülen“, in etwa so:

Zuerst bringe man Wasser zum Kochen bringen. Dann gießt man es über die Teeblätter und lässt sie etwa 20, 30, oder 45 Sekunden ziehen. Danach wird das Wasser abgegossen und weggeschüttet. So sollst du in null Komma nichts 50, 75, oder 90 Prozent des Koffeins entfernt haben, den größten Teil der Antioxidantien und des Aromas aber behalten haben.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Leider ist es das auch.

Kommerziell hergestellter koffeinfreier Tee

Um das nachzuvollziehen, musst du verstehen, wie entkoffeinierter Tee hergestellt wird. Kommerzielle Teeproduzenten verwenden verschiedenen Methoden zur Extraktion von Koffein. Sie beinhalten komplexe Prozesse, zu denen Ethylacetat, Kohlendioxid (CO2) oder Methylenchlorid gehören – aber keine Sorge, die Teeblätter werden nach jedem Verfahren gründlich gespült.

Bei den ersten beiden Methoden sind die fertigen Tees zu 99,6 Prozent koffeinfrei. Tatsächlich ist „entkoffeinierter“ Tee niemals völlig frei von Koffein – es bleiben immer zwischen 1 und 3 Prozent des Koffeins übrig.

Das ist ein paar ziemlich aufwendige chemische Verfahren, um zu einem nahezu koffeinfreien Produkt zu kommen und gleichzeitig den Geschmack des Tees beizubehalten.

Es erscheint also schon ohne Fachwissen sehr unwahrscheinlich, dass man das Koffein mit heißen in wenigen Sekunden einfach auswaschen kann. Es wird eine große Menge an Koffein zurückbleiben. Dafür wird der Geschmack stark beeinträchtigen und viele gesunde Bestandteile werden ausgewaschen.

Die Wahrheit hinter koffeinfreiem DYI-Kaffee

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass man so nicht nur das Koffein nicht los wird. Viel schlimmer noch, durch diese Art der Zubereitung gehen viele der Antioxidantien im Tee verloren.

Während ein Teil des Koffeins während des Aufgusses aus den Teeblättern entfernt wird, ist die Zeit, die die Blätter im kochenden Wasser verbleiben, nicht lang genug, um einen signifikanten Unterschied im Koffeingehalt zu bewirken.

In einem Test, der von Bruce Richardson, einem bekannten Tee-Experten, und Dr. Bruce Branan, Professor für Chemie an der Universität Asbury, durchgeführt wurde, dauert es 6 Minuten, um 80 Prozent des Koffeins in losen Blatt-Tees zu entfernen. Ein 3-minütiger Aufguss reduzierte das Koffein auf 70 Prozent, je nach Teesorte. Innerhalb dieser Zeit verliert man jedoch alle Aromen und gesunden Bestandteile des Tees.

Du kannst es ganz einfach selbst ausprobieren: brühe einfach eine Portion lose Teeblätter mit heißem Wasser auf und lasse sie 5 Minuten stehen. Schütte das Wasser weg und gieße nochmal heißes Wasser auf.

Du wirst sehen, dass der Tee geschmacklich sehr fad und wässrig sein wird. Damit hat sich die ganze Freude am Teetrinken erledigt und die positive gesundheitliche Wirkung ist auch dahin. Leider spülen trotzdem nach wie vor viele Menschen ihren Tee und ruinieren sich damit ein faszinierendes Geschmackserlebnis, weil sie sich vom Mythos des DIY Entkoffeinierens täuschen lassen.

Praktische Optionen für koffeinarmen Tee

Nachdem wir gesehen haben was nicht funktioniert, hier ein paar Optionen, wie ein koffeinfreier Teegenuss doch möglich ist. Dabei geht es viel einfach und zuverlässiger, als seinen Tee mit heißen „Wasch-Aufgüssen“ zu ruinieren.

Zum Beispiel kannst du einfach auf Teesorten umsteigen, die von Natur aus kein Koffein enthalten. Dazu gehören zum Beispiel alle Kräuter- und Früchtetees (die natürlich kein wirklicher Tee sind). Auch der ausgesprochen leckere und gesunde Rooibostee ist von Natur aus koffeinfrei.

Wenn du nicht ganz auf Koffein verzichten willst und musst, aber Matcha oder grüner Tee dir einfach einen zu hohen Koffeingehalten haben, kannst du auf Sorten mit einem geringeren Level ausweichen.

Eine sehr gute Wahl sind zum Beispiel weiße Tee aus Fujian, oder „Zweig-Tees“ wie Hojicha oder Kukicha. Du können sich auch für Teemischungen entscheiden, die anstelle eines Teils des Tees koffeinfreie Kräuter enthalten, wie z.B. marokkanische Minze oder Masala Chai.

Du willst wirklich the real deal nur ohne Koffein? Dann kaufe einfach ein entkoffeinierten Grün- oder Schwarztee. koffeinfreie Tees kaufen. Wie bereits geschrieben ist hier immer ein kleiner Restanteil vorhanden, der genaue Prozentsatz steht normalerweise auf dem Etikett oder in der Produktbeschreibung.