Japanische Teekannen – der ultimative Guide

Für viele Teeliebhaber ist das Teetrinken eine Form der Kunst. Traditionell werden die losen Teeblätter in speziellen Teetassen und Teekannen aufgebrüht. Das Ziel ist immer: den besten Geschmack und das meiste Aroma herauszuholen und ein exquisites Geschmackserlebnis zu schaffen.

Die Japaner beherrschen die Kunst der Teezubereitung seit Jahrhunderten. Japanische Teekannen wurden speziell für den Genuss der köstlichen Aromen vom in Japan weit verbreiteten grünen Tee entwickelt.

In diesem Guide erfährst du, welche Arten von japanischen Teekannen es gibt und welche für deine Tee-Vorlieben am besten geeignet ist.

Die Drei Arten japanischer Teekannen (Kyusu)

Die traditionelle japanische Teekanne wird Kyusu genannt. Es gibt sie in drei Hauptvarianten, die sich hauptsächlich durch ihren Griff unterscheiden.
Die Teekannen werden hauptsächlich in den japanischen Präfekturen Mie, Gifu, Aichi und Niigata hergestellt. Innerhalb dieser Präfekturen gehören Iwachu und Tokoname zu den produktivsten Schöpfern von Teekannen.

Zu den berühmten Teekannen gehören die Banko-Teekanne, Arita Yaki, Onko, Mumyoi Yaki und Tokoname Yaki, deren Namen sich von dem Ton und den Regionen ableiten, in denen sie hergestellt werden.

Neben dem Griff unterscheiden sich die Teekannen auch durch die Art des Lehmes, aus dem sie hergestellt werden. Zum Beispiel werden Banko-Teekannen typischerweise aus violettem Ton hergestellt, während Tokoname-Sorten aus rotem Ton hergestellt werden.

Yokode Kyusu (Teekanne mit Seitengriff)

Ein Yokode Kyusu hat einen Griff, der direkt aus der Seite der Teekanne herausragt. Am Ansatz ist er relativ schmal und wird zum freien Ende hin bauchiger.

Der Ausguss befindet sich in einem 90-Grad-Winkel zum Henkel. Bei der Yokode Kyusu kann man den Deckel der Teekanne beim Ausgießen einfach festhalten.

Dabei drückt man einfach mit dem Daumen auf den Deckel und kann den Tee so ganz einfach mit nur einer Hand einschenken, ohne dass der Deckel abrutscht.

Uwade Kyusu (Teekanne mit Obergriff)

Die Uwade Kyusu hat einen sehr markanten Griff, der in Richtung des Ausgusses im Hohen Bogen über die ganze Teekanne läuft.

Der Henkel ist normalerweise aus einem anderen Material als der Rest des Topfes gefertigt. Wenn der Topf beispielsweise aus Porzellan ist, kann der Henkel aus Bambus, Kunststoff oder Rattan bestehen.
Der Henkel ist mit Metallhaken an der Teekanne befestigt. Im Gegensatz zur Teekanne erhitzt er sich so nicht und man kann den Tee ganz entspannt einschenken.

Durch die symmetrische Anordnung des Griffes ist die Uwade Kyusu Teekanne eine gute Wahl für Linkshänder.

Ushirode Kyusu (Teekanne mit Rückengriff)

Der Ushirode kyusu ist von den klassischen chinesischen Teekannen inspiriert. Sie besitzt einen Henkel direkt gegenüber dem Teeauslauf.

Diese Art japanischer Teekannen sollte zum Aufbrühen chinesischer und britischer Tees verwendet werden.

Andere japanische Teekannentypen (Tetsubin, Houbin und Shiboridashi)

Tetsubin

Im Gegensatz zu den vorherigen drei Modellen, die alle aus Ton hergestellt werden, ist die japanische Tetsubin eine gusseiserne Teekanne. In Japan wird die gusseiserne Tetsubin-Teekanne traditionell für grünen Sencha Tee verwendet, um Wasser zu erhitzen und Sencha-Tee direkt in den Teetassen aufzubrühen.

Das Gusseisen erwärmt das Wasser schnell und hält es vor allem deutlich länger heiß als die Alternativen aus Porzellan oder Ton. Manchmal ist die gusseiserne Teekanne auf der Innenseite mit einer Emaillebeschichtung versehen. Dadurch bleiben nach dem Auswaschen keine Aromarückstände übrig und man kann mit der gleichen Teekanne mehrere Teesorten aufbrühen.

Traditionelle japanischen gusseiserne Teekannen haben diese Emaillebeschichtung in der Regel nicht und werden deshalb klassischerweise nur für eine Teesorte verwendet.

Hôhin (Houbin)

Die Hôhin Teekanne hat keinen Griff und ist verhältnismäßig klein. Man hält sie mit nur einer Hand, wobei vier Finger unter die Hôhin liegen und der Daumen den Deckel festdrückt.

Dadurch spürt man beim Eingießen die Wärme des Tees. Neben dem Geschmack und dem Geruch bekommt das Teetrinken so noch eine haptische Komponente.

Oft ist vorne an der Ausgussöffnung ein kleines Sieb integriert, um die Teeblattstückchen zurückzuhalten.

Natürlich möchte man sich nicht verbrennen. Deshalb wird die Hôhin ausschließlich für japanische Grüntees wie Gyokuro oder hochwertigen Sencha genutzt, die mit nur ca. 45-60 Grad heißem Wasser aufgebrüht werden sollten.

Die Hôhin Teekanne hat noch einen Vorteil bei hochwertigen Grüntees: durch das kleine Fassungsvermögen kann man den Tee relativ schnell mehrmals hintereinander aufbrühen, ohne dass die Blätter zwischendurch „durchmatschen“.

Wenn man allein oder zu zweit Tee trinkt hat man häufig das Problem, dass in der Kanne mehr Tee ist als in die eine oder die zwei Tassen passt. Dadurch brüht ein Teil des Tees viel zu lange – eben bis die Teetassen leer sind und man nachschenken kann.

Bei der Hôhin entspricht ein Aufguss meist nur einer Tasse. Dadurch ruiniert man sich nicht einen Teil des hochwertigen Tees, indem er zu lange im heißen Wasser verweilt.

Shiboridashi

Ein Shiboridashi ähnelt der Hôhin. Sie hat ebenfalls keinen Griff und ist sehr flach. Durch ihr schalen-artiges Aussehen ähnelt sie eher einer Teetasse als einer Teekanne. Im Verhältnis zum Volumen ist die Oberfläche sehr groß, sodass die Teeblätter viel Platz zum Entfalten haben.

Die Shiboridashi hat keinen integrierten Filter, man kippt den Deckel beim Ausgießen etwas. So kann die Flüssigkeit durch den Schnabel fließen, während die Teeblätter zurückgehalten werden.

Sie ist in etwa das japanische Pendent zum traditionellen chinesischen Gaiwan. Genau wie die Hôhin wird auch die Shiboridashi Kanne vor allem für hochwertige Grüntees verwendet.

Materialien für japanische Teekannen

Die meisten japanischen Teekannen werden aus Ton oder Porzellan hergestellt.

Ton

Teekannen aus Ton werden in der Regel zum Aufbrühen grüner Tees verwendet, da der poröse Ton mit jedem Aufguss ein Bisschen des Teearomas annimmt. Dadurch entsteht mit jedem Aufguss im Laufe der Zeit ein intensiverer, einzigartiger Geschmack.

Deshalb sollte eine Teekanne aus Ton immer nur für eine Teesorte genutzt werden. Grüne oder weiße Tees haben einen eher zarten Geschmack. Wenn du dann auf einmal einen intensiven schwarzen Tee in der Teekanne kochst, kann das Aroma von künftigen Grüntees beeinflusst werden.

Zu den beliebtesten Teekannen aus Ton gehören der Banko-Yaki und der Tokoname-Yaki. Diese beiden Teekannen enthalten Toneisen, dass die Umami-Noten in grünen Tees durch chemische Wechselwirkung mit den im Tee enthaltenen Tanninen verstärkt.

Die Ton-Teekannen können auch einen weicheren und gleichmäßigeren Geschmack ohne die Bitterkeit erzeugen, die mit einige grüne Tees mit sich bringen.

Porzellan

Japanische Porzellan-Teekannen können für beliebige Teearten genutzt werden. Du kannst also heute grünen, morgen schwarzen und übermorgen wieder grünen Tee in der gleichen Kanne brühen.

Porzellan hat eine sehr glatte, geschlossene Oberfläche. Dadurch nimmt es keine Aromen auf und kann zum Aufbrühen verschiedener Teesorten verwendet werden.

Glas

Glas und Edelstahl sind in der japanischen Teekultur eher selten anzutreffen. Es gibt keine klassischen japanischen Teekannenstile, die Glas verwenden. Allerdings sind Teetassen aus Glas beim Trinken von eisgekühltem Grüntee ziemlich verbreitet.

Filter in japanischen Teekannen

Die meisten japanischen Teekannen haben einen eingebauten Filter. Meist sind das mehrere kleine Löcher am inneren Anfang der Aufgussöffnung, ähnlich wie du es von Wasserkochern kennst.

Der Filter ist meist direkt in die Kanne integriert und besteht aus dem gleichen Material wie die Kanne – in der Regel also Ton oder Porzellan.

Einige Teekannen im japanischen Stil enthalten Metallfilter. Die meisten Teekenner meiden Metall, da es den Geschmack bestimmter Teesorten verändern kann. Deshalb werden die allermeisten japanischen Teekannen aus Porzellan oder Ton hergestellt.

Welche Teekanne passt zu mir?

Natürlich trinkt auch das Auge mit. So hat sich über die Jahrhunderte eine Vielfalt fast künstlerischer Designs entwickelt. Von Banko-Geschirr aus violettem Ton bis zu den Tokoname-Kannen aus rotem Ton gibt es Dutzende von Varianten.

Die Wahl der richtigen japanischen Teekanne hängt von zwei Faktoren ab: was gefällt dir optisch und welche Teesorten trinkst du am liebsten und am meisten.

Die Optik ist natürlich Geschmackssache.

Wenn du hochwertige Grüntees bevorzugst, viel Wert auf geschmackliche Nuancen legst und eher kleine Portionen trinkst, ist sind die Hôhin oder eine Shiboridashi die beste Wahl.

Wenn du größere Mengen aufbrühen möchtest, zum Beispiel weil du gerne mehrere Tassen hintereinander trinkst oder öfter mit mehreren Leuten zusammen Tee trinkst, wirst du mit der Uwade oder Ushirode kyusu glücklicher. Sie haben ein größeres Fassungsvermögen als z.B. die Shiboridashi.

Du bist Linkshänder? Dann greife zur Uwade Kyusu oder Ushirode Kyusu. Wenn es unbedingt die Yokode sein soll, kannst du nach Sonderanfertigungen für Linkshänder Ausschau halten, bei der der Griff auf der anderen Seite ist.

Japanische Teekannen eignen sich auch hervorragend als Geschenkidee für Weihnachten, Hochzeiten oder beim Einzug in eine neue Wohnung bzw. ein neues Haus. Sie halten ewig, als Teetrinker kann man sich täglich an ihnen erfreuen und durch ihr Design sind sie ein echter Hingucker in jeder Küche.