Oolong Tee richtig zubereiten

Einfache, westliche Zubereitung von Oolong Tee

Für den täglichen Hausgebrauch musst du Oolong Tee nicht unbedingt aufwändig nach chinesischer Tradition zubereiten. Gerade im hektischen Alltag, in dem oft wenig Zeit bleibt und es vor allem schnell und unkompliziert gehen muss, kann die vereinfachte Zubereitung mittels eines Teebeutels oder mit losem Tee im Teefilter genau richtig sein.

Merke allerdings: Du solltest für Oolong Tee niemals ein Tee-Ei benutzen, da der Tee während des Aufgusses sein Volumen vergrößert und sich so nicht ausreichend entfalten könnte. Verwende für losen Tee stattdessen entweder einen großen Papierfilter oder – noch besser – ein Teesieb.

Für eine Teekanne mit einem Fassungsvermögen von einem halben Liter brauchst du 2-3 Teelöffel losen Tee. Bei einer größeren Kanne erhöht sich der Teeanteil entsprechend proportional. Übergieße den Tee mit heißem Wasser und lasse ihn etwa 3 bis 4 Minuten ziehen. Die richtige Wassertemperatur richtet sich nach der Sorte des Oolongs. In der Regel gilt: Je grüner dein Tee, desto kühler sollte das Wasser sein. Lasse den Tee nicht zu lange ziehen, da er sonst bitter wird.

Komfort hin oder her: Diese einfache Zubereitungsmethode wird dem Potenzial des hochwertigen Oolong Tees eigentlich nicht gerecht. Daher stellen wir dir nun die traditionelle chinesische Zubereitungsmethode Gongfu Cha vor. Keine Sorge, mit dem richtigen Zubehör gelingt das auch ohne Vorkenntnisse.

Zubereitung nach Gongfu Cha

Was ist der Unterschied zur herkömmlichen Zubereitung?

Der Hauptunterschied des chinesischen Gongfu Cha im Vergleich zur einfachen Zubereitung besteht darin, dass der Tee mehrmals nacheinander aufgegossen wird. Dabei verändert sich das Aroma von Aufguss zu Aufguss und unterschiedliche Geschmacksnoten treten hervor.

Damit der Tee nicht so schnell „auslaugt“, wird eine kleinere Kanne mit einer größeren Menge Tee kombiniert. Beispielsweise werden in einer Kanne mit 150 ml Fassungsvermögen 5 g loser Oolong Tee mehrfach aufgegossen. Dabei sollte der einzelne Aufguss anfangs höchstens 20 bis 30 Sekunden ziehen. Im Laufe der Aufgüsse verlängert sich die Ziehzeit und Bitterstoffe treten stärker hervor.

Zubehör für das Gongfu cha

Die Basis-Ausstattung für die Zubereitung nach Gongfu Cha beinhaltet:

  • eine kleine Teekanne mit 150-250 ml Fassungsvermögen
  • ein Gefäß zum Ausschenken (z.B. eine Karaffe)
  • Teegläser
  • Wasserkocher mit Temperatur-Anzeige
 

Neben dieser Grundausstattung existiert eine Reihe weiterer Accessoires. Die brauchst du für ein authentisches, traditionelles Gongfu cha – aber keine Sorge, du kommst auch ohne sie wunderbar zurecht:

  • ein „Teeboot“ als Untersetzer und um Wasserspritzer stilecht aufzufangen
  • ein Teelöffel zur einfacheren Dosierung
  • ein Teesieb, um kleine Teeblättchen herauszufiltern
  • ein Riechbecher, um vor dem Trinken einen Geruchstest durchzuführen
  • ein Teetuch, um den Kochbereich zu säubern
  • eine Stoppuhr, um die sich verändernden Ziehzeiten zu überwachen

Gongfu cha für Oolong Tee - die Schritt-für-Schritt Anleitung

1. Wasser kochen
Für den perfekten Oolong Tee solltest du möglichst weiches Wasser verwenden. Zu viel Kalk im Trinkwasser verfälscht den Geschmack deutlich. Im Zweifelsfall benutze einen Wasserfilter. Bringe das Wasser zunächst zum Kochen und lasse es anschließend auf etwa 90° C abkühlen. Falls du eine Teekanne aus Ton benutzen möchtest, solltest du diese zunächst heiß durchspülen, damit der Ton sich aufheizen kann.

2. Oolong Tee einfüllen
Nun füllst du den Oolong Tee in deine Teekanne. Verwende etwa 5 g Tee pro 150 ml Wasser. Der Boden der Teekanne sollte auf jeden Fall bedeckt sein. Allerdings sollte der Tee auch nicht mehr als 1/3 des Kannenvolumens füllen. Verschließe die Kanne mit einem Deckel und schüttele den Tee einmal gut durch. Wahre Teekenner genießen nun bereits eine erste Geruchsprobe.

3. Der erste Aufguss
Gieße nun den Tee mit dem heißen Wasser auf. Der erste Aufguss sollte eine Ziehzeit von etwa 30 bis 40 Sekunden haben. Nach Abschluss der Ziehzeit gießt du den Tee aus der Kanne in dein Aufgussgefäß (z.B. die Karaffe). Auf diese Weise verhinderst du, dass er weiter zieht und zu bitter wird. Außerdem kühlt der Tee durch das Umgießen auf eine angenehme Temperatur ab und ist bald trinkbar.

4. Ausschenken und genießen
Aus der Karaffe kannst du nun den Tee auf die einzelnen Teegläser verteilen. Das erneute Umgießen kühlt den Tee weiter ab, sodass er in der Regel nun sofort getrunken werden kann. Genieße die ersten Schlucke deines Aufgusses. Lasse den Tee ruhig eine Weile im Mund verweilen, damit du das zarte Aroma richtig schmeckst.

5. Folgende Aufgüsse
Du kannst den Tee in der Kanne nun mehrfach erneut aufgießen. Qualitativ hochwertige Oolong Tees können ohne weiteres 5 bis 7 Mal neu aufgegossen werden. Der zweite Aufguss ist der kürzeste, da der Tee nun schon aufgeweicht und besonders intensiv ist. Bei jedem weiteren Aufguss verlängert sich die Ziehzeit. Eine grobe Orientierung bietet beispielsweise folgendes Aufguss-Schema:

1. Aufguss: 30 bis 40 Sekunden
2. Aufguss: 20 Sekunden
3. Aufguss: 40 Sekunden
4. Aufguss: 1 Minute
5. Aufguss: 1:30 Minuten
6. Aufguss: 2 Minuten
7. Aufguss: 2:30 Minuten

Du kannst die weiteren Aufgüsse auch zeitversetzt, also etwas später am Tag durchführen. Einmal angeweichter Tee sollte allerdings am gleichen Tag verbraucht werden.

Bei den fortschreitenden Aufgüssen wirst du merken, wie sich der Geschmack deines Oolong Tees langsam verändert. Von einem anfangs feinen Aroma über die zunehmende Geschmacksintensität bis zu einer leicht bitteren Note reicht die geschmackliche Bandbreite. Bei den kürzeren Ziehzeiten ist der Koffeingehalt des Tees außerdem recht hoch, während das Koffein bei den späteren, längeren Ziehzeiten bereits zersetzt wurde. Du kannst Oolong Tee also problemlos auch abends trinken.

Gongfu cha als Kunst

Bei der traditionellen chinesischen Teezubereitung nach Gongfu Cha geht es nicht alleine um die Zubereitung eines Getränks. Die Teezeremonie an sich wird als Kunstform betrachtet, bei der es um geschmackliche ebenso wie um ästhetische Gesichtspunkte geht. Eine würdevolle Haltung, bedächtige Bewegungsabläufe, intensive Geruchsproben und meditative Elemente fließen hier mit ein. Diese Zeremonie wird in China von echten Tee-Meisterngelehrt und benötigt Jahre, um zur Perfektion zu gelangen.

Was ist Oolong Tee?

Der Oolong Tee (gesprochen: Ulong) ist ein traditioneller, chinesischer Tee. Übersetzt bedeutet der Name „Schwarzer Drache“. Da dieser Tee halbfermentiert ist, wird er jedoch normalerweise zwischen Grüntee und Schwarztee eingeordnet. Echte Teekenner erkennen Oolong Tee bereits an seiner speziellen Blattform: Das Innere der Blätter bleibt auch nach dem Herstellungsprozess saftig grün und eher glatt, während die Blattränder dunkel und verschrumpelt aussehen. Dieses besondere Erkennungsmerkmal ist auf den Oxidationsprozess bei der Herstellung zurückzuführen, bei dem die getrockneten Teeblätter ständig geschüttelt werden. Dadurch sammelt sich an den Blatträndern einiger Blattsaft, der die Oxidation an diesen Stellen beschleunigt.

Je nach Dauer des Oxidationsprozesses erhält der Tee eine unterschiedliche geschmackliche Ausprägung. Die Bandbreite reicht von einer leichten Fruchtnote nach kurzer Oxidation bis zu einem herben, rauchigen Teearoma nach langer Oxidation.

Oolong Tee ist in vielen verschiedenen Sorten erhältlich. Klassisch wird er traditionell chinesisch zubereitet und mehrfach aufgegossen. Die aufwändige, fast meditative Zubereitung nach dem chinesischen Gongfu Cha stellen wir dir in diesem Artikel ebenso vor, wie die vereinfachte Zubereitung für den Alltagsgebrauch zu Hause.