Japanischer Sencha Grüntee – der ultimative Guide

Wenn du in einem Restaurant in Japan Platz nimmst, wirst du eine der vielen Varianten des japanischen Nationalgetränks begegnen. Sencha-Grüntee ist seit seiner Entdeckung im frühen 16. Jahrhundert in seiner Beliebtheit explodiert.

Die zarten Nadeln entfalten sich dramatisch, wenn sie in heißem Wasser aufgegossen werden. Die schöne grüne Flüssigkeit setzt ein kräuterartiges Aroma frei, das deinen Geruchssinn mit erdigen Noten bezaubert.

Sein Geschmack regt die Geschmacksknospen mit grasigen und ozeanischen Aromen an. Tauche ein in die Welt dieses traditionellen japanischen Tees und erfahre, wie du jedes Mal die perfekte Tasse Sencha aufbrühst.

Was ist Sencha Tee?

Japan produziert einige der beliebtesten grünen Tees der Welt. Zu den japanischen Grüntees gehören Sencha, Genmaicha und Matcha-Tee. Fast 80% der in Japan geernteten Tees werden für Sencha-Tee verwendet.

Sencha-Tee wird aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt. Diese Pflanze wird vor allem in den Provinzen Shizuoka, Fukamushi und Kagoshima in Japan angebaut. Sencha-Tee ist die beliebteste Teesorte in Japan. Der Tee wird in heißem Wasser aufgegossen und normalerweise während und nach den Mahlzeiten getrunken.

Vom Blatt in die Tasse - Produktion von Sencha Tee

Die Teeblätter werden von der Pflanze geerntet, getrocknet und auf natürliche Weise getrocknet. Die Teeblätter durchlaufen keinem Oxidationsprozess. Das Verfahren zur Herstellung von Sencha-Grüntee unterscheidet sich von dem, das für chinesische Grüntees verwendet wird.

Chinesische Tees werden normalerweise in großen Pfannen „gebrannt“ – die Hitze stoppt die Oxidation. Im Gegensatz dazu werden japanische Tees wie Sencha schonend mit Wasserdamp gedämpft statt gebrannt. Das Ergebnis ist ein weicherer, pflanzlicherer und erdiger Geschmack.

Nachdem die Blätter gedämpft wurden, werden sie zu feinen Nadeln gerollt. Diese Form ist auch charakteristisch für japanische Tees. Die Tees werden dann nach Blattgröße sortiert etweder als loser Tee verpackt, oder zerkleinert und in Teebeuteln gefüllt.

Der einzigartige Geschmack des grünen Sencha Tees

Japanischer Sencha-Grüntee schmeckt erhebend und erfrischend. Er hat einen nussigen, fruchtigen und blumigen Nachgeschmack. Sencha wird als grasig und erdig beschrieben. Er wird auch als ozeanisch beschrieben und hat einen Hauch von Meeresalgen-Geschmack.

Die Farbe des Tees kann beim Aufbrühen von hellgrün bis dunkelgrün reichen. Sencha-Tees, die aus losen Blättern gebraut werden, sind tendenziell heller in der Farbe, während Tees, die aus Sencha-Pulver gebraut werden, dunkler sind.

Arten von Sencha-Grüntee

Es gibt viele verschiedene Arten von Sencha-Tee. Diese Arten werden nach Ort und Art der Verarbeitung sowie nach dem Erntezeitpunkt sortiert.

Shincha-Tees sind die erste Ernte der Saison. Im zweiten Durchlauf der Saison, typischerweise im Sommer und frühen Herbst, wird der Bancha-Sencha geerntet.

  • Gyokuro: Gyokuro ist ein einzigartiger japanischer Grüntee, da er im Schatten und nicht wie andere Sorten in der Sonne angebaut wird. Er wird etwa drei Wochen lang im Schatten angebaut, bevor die Blätter geerntet werden. Das Wort Gyokuro bedeutet übersetzt Jade-Tau oder Juwelen-Tau, was sich auf die smaragdgrüne Farbe des Tees bezieht, wenn er aufgegossen wird.
  • Sincha: Gemeinhin als Ichiban-cha oder „Neuer Tee“ bekannt, wird dieser Sencha-Tee im Frühling geerntet. Es ist die erste Ernte der japanischen Grünteeblätter und signalisiert den Beginn der Produktionssaison. Er zeichnet sich durch ein Geschmacksprofil aus, das süßer und nuancierter ist als andere Arten von Sencha. Er hat einen leichten Umami-Geschmack – die fünfte Geschmacksrichtung, neben süß, bitter, salzig und sauer.
  • Asamushi Sencha: Asamushi wird nur 30 Sekunden lang gedämpft, was ihn zum leichtesten gedämpften japanischen Grüntee macht. Er ist einer der am wenigsten veränderten grünen Tees und zeichnet sich typischerweise durch sehr verschachtelte, volle Blätter aus. Er ist leicht in der Farbe und bietet einen sauberen und delikaten Geschmack.
  • Chumushi Sencha: Diese Sorte wird eine Minute lang gedämpft und weist einen stärkeren Geschmack und ein stärkeres Aroma auf als Asamushi. Der Geschmack ist der traditionellste der grünen Sencha-Tees und er dient als Grundlage für die anderen Sorten.
  • Fukamushi Sencha: Fukamushi Sencha ist eine der Sorten, die am längsten gedämpft wird. Er wird 90 Sekunden bis 2 Minuten lang gedämpft und hat daher mehr abgebrochene Blätter als der nadelartige Asamushi Sencha. Fukamushi Sencha hat eine dunkle, satte Farbe, wenn er aufgegossen wird. Er hat einen eher „meerigen“ Geschmack den man sofort mit dem weiten Ozean verbindet. Das Gefühl im Mund ist vollmundig, und fast etwas butterartig.
  • Pulverförmiger Sencha: Pulverförmiger Sencha ist ähnlich wie Matcha-Grüntee. Die Blätter werden zu einem feinen Pulver gemahlen, das beim Aufgießen mit Wasser als Ganzes getrunken wird. Im Gegensatz zum Matcha ist er nicht im Schatten gewachsen. Sein Geschmack ist pflanzlich und erdig. Sencha-Pulver ist besonders gesund, weil man quasi das ganze Teeblatt trinkt und nicht nur aufbrüht.
  • Uji Sencha: Uji Sencha wird in der Region Uji in Japan geerntet. Dieses Gebiet ist bekannt für den Anbau von teuren Matcha- und Gyokuro-Grünteesorten. Er ist einer der hochwertigeren Sencha Tees.
  • Kukicha: Kukicha, auch als Zweig-Tee bekannt, wird aus den Stielen und Zweigen der Teepflanze hergestellt. Er bietet einen nussigeren Geschmack und eine milde Adstringenz, schafft also ein leicht rauhes Gefühl im Mund wie man es von manchen Wein kennt. Der Tee ist sowohl als Standard-Grüntee als auch in schwereren oxidierten Formen erhältlich, die dem Oolong-Tee und dem schwarzen Tee ähnlicher sind.

So bereitest du den perfekten Sencha Tee zu

Schritt 1: Teegeschirr zusammenstellen
Die Blätter von Sencha-Grüntee benötigen viel Platz, um sich aus ihrer nadelartigen Form zu entfalten. Es ist zwar möglich, eine westliche Standard-Teetasse zum Aufbrühen von Sencha zu verwenden, wir empfehlen aber stattdessen einen Kyusu.

Ein Kyusu ist eine traditionelle japanische Teekanne, deren Name wörtlich übersetzt „Teekanne“ bedeutet. Es gibt sie in drei Hauptsorten, eine mit einem seitlichen Henkel, eine mit einem hinteren Henkel und eine, die nur ein Gefäß ist.

Die Teekannen mit seitlichem Henkel oder „yokode no kyusu“ haben einen zylinderförmigen Henkel, der im 90-Grad-Winkel zum Ausguss steht. Die Teekannen mit hinterem Henkel werden als „atode no kyusu“ bezeichnet und haben einen Henkel, der 180 Grad vom Ausguss entfernt ist.

Die als Houhin bekannte Schatzkannen-Kyusu hat keinen Henkel und wird für die Zubereitung von Sencha-Tees mit niedriger Temperatur wie Gyokuro verwendet.

Falls du „nur“ eine normale Teekanne, oder vielleicht sogar nur eine Tasse samt Teesieb zur Hand hast, geht es natürlich auch.

Schritt 2: Teeblätter vorbereiten
Wir empfehlen die Verwendung von losem Tee oder Sencha-Pulver. Sie schmecken mit Abstand am besten und sind auch am gesündesten.

Bei Sencha Tee macht es außerdem Sinn, Bio-Qualität zu kaufen. Da du das ganze Teeblatt mit heißem Wasser aufbrühst oder bei Pulver-Tee sogar trinkst, sollten keine Pestizide oder andere Chemikalien auf die Blätter gesprüht worden sein.

Teebeutel enthalten oft nur wenige Blätter oder Bruchstücke, und durch die vielen Bruchkanten gehen viele der gesunden Antioxidantien und primären Pflanzenstoffe verloren – vom negativen Einfluss auf den Geschmack ganz zu schweigen.

Sencha-Grünteepulver wird aus pulverisierten Blättern hergestellt, die die größte Wirkung für deine Gesundheit haben. Lose Blätter liegen etwas dahinter: Hier wird zwar das gesamte Blatt zum Aufbrühen verwendet, aber nicht wirklich konsumiert.

Bei losen Blättern oder Pulver solltest du ca. 1 Teelöffel pro 230ml Wasser. Für Gyokuro Sencha empfehlen wir die doppelte Menge – also etwa 2 Teelöffel pro 230ml Wasser. Diese Teeblätter haben ihr ganzes Leben im Schatten verbracht und deshalb einen leichteren und feineren Geschmack als andere Sencha Arten.

Schritt 3: Teegeschirr vorwärmen
Bei der Sencha Zubereitung wird das Teegeschirr vorgewärmt, bevor der Tee tatsächlich gebrüht wird. Am besten du kochst also direkt das Wasser für zwei Teekannen auf. So kannst du die eine Hälfte zum Vorwärmen nutzen und die zweite um den Tee aufzubrühen.

Schritt 4: Aufbrühen und Sencha aufgießen
Sencha-Tee sollte im Vergleich zu anderen Teesorten mit relativ geringer Temperatur gebrüht werden, damit der zarte Geschmack nicht unter der Hitze leidet. Zu heißes, oder gar kochendes Wasser kann den Tee schnell bitter werden lassen.
Bringe Wasser zum Kochen und lasse es dann auf etwa 65 bis 75 Grad Celsius abkühlen.

Falls du kein Thermometer zur Hand hast gilt als Faustregel, dass es von sprudelnd kochendem Wasser etwa 25 Minuten dauert, bis es kalt genug ist.

Deutlich einfacher geht es, wenn du einen Wasserkocher hast, auf dem du die Temperatur einstellen kannst.

Je nachdem welches Geschirr du zur Hand hast, unterschiedet sich das Vorgehen jetzt. Der Tee sollte aber in jedem Fall nicht viel länger als 1 Minute ziehen:

  • Mit einem Kyusu oder einer anderen Teekanne: Gieße die Teetasse voll mit heißem Wasser. So kann sie sich vorwärmen, während der Tee zieht. Dann gibst du die Teeblätter in die Kanne und gießt das restliche Wasser drüber. Wenn der Tee durchgezogen ist, also nach ca. einer Minute, schüttest du das Wasser aus der Tasse weg und gießt den Tee ein.
  • Nur mit Tasse und Teefilter/Teesieb: Orientiere dich eher an der oberen Temperaturgrenze, also ca. 75 Grad. Fülle dann die Tasse mit heißem Wasser auf und warte ein bis zwei Minuten. Währenddessen kannst du schon die Teeblätter in das Sieb oder den Filter füllen. Dann kippst du das Wasser aus der Tasse weg, tust das Teesieb rein und brühst den Tee mit dem restlichen heißen Wasser aus dem Wasserkocher auf.


Bei Gyokuro und sehr hochwertigen Grüntees sollte das Wasser sogar noch kälter sein, eher 45-60 Grad. Dafür sollte der Tee dann mit ca. 90 Sekunden etwas länger ziehen als bei „normalen“ Senchas.

Jetzt bist du dran: Entdecke die Sencha-Welt!

Um den besten grünen Tee zu finden, musst du vielleicht ein Ausprobieren. Japanische Sencha-Tees bieten eine Vielzahl von Geschmacksrichtungen und Aromen, die deine Sinne verführen.

Sie haben unterschiedliche Geschmacksnoten, von Meeresalgen und Gras bis hin zu Kräutern und Gemüse reichen. Auch durch kleine Änderungen in der Zubereitung, zum Beispiel der Wassertemperatur oder Ziehzeit, entwickeln sich neue Geschmacksnuancen.

Normalerweise trinkt man japanische Grüntees heiß – du kannst ihn aber auch kalt probieren. Kalter Sencha ist eine lecker und vor allem gesunde Alternative zu normalen Eistee, wenn du dich im Sommer erfrischen willst.